Masala Chai – würzig und exotisch

Tee eines der weitverbreitetsten und alltäglichsten Getränke auf der Welt. Um kaum ein anderes Getränk wird jedoch so ein Kult betrieben wird. Mit verschiedensten Zutaten und Zubereitungsarten hat jedes Land seine ganz eigene Teekultur. So haben die Engländer  ihre berühmte „Teatime“, die Russen brühen Tee in riesigen Samowaren und Teesalons des nahen Ostens wird über Gott und die Welt diskutiert. In einigen Ländern gibt es für uns sehr ungewöhnliche Traditionen der Zubereitung so wird der „Suutei Tsai“ der Mongolei mit Hammelmilch und Salz und der „Phö Cha“ aus der Gegend des Himalayas wird mit Salz und Butter angereichert.

Tea with milkDie Ähnlichkeit der Bezeichnungen lässt auf eine gemeinsame Herkunft der verschiedensten aufgebrühten Getränke schließen. Cay (Türkei), Tsai (Mongolei), Cha (Tibet) ähneln dem indischen Wort Chai, da das Getränk auf dem Landweg von China aus über die Seidenstraße verbreitet wurde. Unser deutsches Wort Tee wurde allerdings von den Niederländern über den Seeweg transportiert und kommt aus dem Süden Chinas, wo die Bezeichnung „té“ oder „tu“ vorherrscht. Genau genommen ist, die Bezeichnung Chai Tee etwas unsinnig da Chai soviel wie Tee bedeutet und somit die Übersetzung Tee Tee lautet. Das indische Getränk wird daher auch oft als Masala Chai bezeichnet, was soviel wie Teemischung bzw. Gewürztee heißt.

Auch, wenn es Tee überall auf der Welt Tee gibt folgt der indische Chai ganz eigenen Regeln. Die Zutaten Zimt, Kardamom, Nelken, oft auch Ingwer und je nach Rezeptur schwarzer Tee machen den Körper des Heißgetränks aus und geben ihm seine charakteristisch würzige Note.

Zimt: Das Gewürz wird aus der Rinde des Zimtbaumes gewonnen und ist eine aromatische Heil – und Gewürzpflanze mit anregenden, antiseptischen und erfrischenden Eigenschaften. Der Geschmack ist fruchtig-scharf und adstringierend. Die Wirkung auf den Körper ist erwärmend, gleichzeitig entspannend und verdauungsfördernd. Zimt hat eine natürlich reinigende Wirkung und ist daher auch gut zur Entgiftung und zur Stärkung des Gewebes geeignet. Auch bei Erkältungen und Entzündungen kann Zimt Linderung bringen. Allerdings ist die Rinde ein intensiv schmeckendes Gewürz und sollte mit bedacht dosiert werden.

Kardamom: Kardamom ist eine Kapselfrucht deren Samen aromatisch und erfrischend – auch für den Atem – schmecken. Sie wirken anregend und entfachen das Verdauungs-feuer. Die Kardamom Kapsel gilt in Indien als Königin der Gewürze. Mit ihrer eukalyptusartigen Note mindert Kardamom die schleimbildende Wirkung der Milch und ist daher auch im Kaffee beliebt. Kardamom erfrischt den Geist und regt die Herztätigkeit an. Auch dieses Gewürz sollte man in seiner Intensität nicht unterschätzen und nur in kleinen Mengen einsetzen.

Nelken: Die getrockneten Blütenknospen haben eine fruchtig-pfeffrigen Geschmack. Sie wärmen von innen und ihr Öl wirkt antiseptisch und desinfizierend. Bei Husten, Erkältungen und Nebenhöhlenbeschwerden kann eine Inhalation mit Nelkenöl hilfreich sein und den Schleim lösen.

Ingwer: Die Ingwerwurzel hat einen fruchtig und so gleich scharfen Geschmack. Ingwer aktiviert die Wärmerezeptoren im Körper und ist so auch bei Erkältungen besonders wohltuend. Auch bei Schmerzen oder Übelkeit kann Ingwer hilfreich sein und wie viele andere Gewürze regt auch er die Verdauung an.

Spices

Weitere häufig verwendete Gewürze

Pfeffer: Die kleinen Pfefferkörner sind wahre Scharfmacher sie geben eine guten Geschmack und regen den Appetit an. Außerdem fördert Pfeffer auch die Bekömmlichkeit.

Anis: Verwendet werden die reifen, bei trockenem Wetter geernteten Samen. Die enthaltenen ätherischen Öle wirken appetitanregend, verdauungsfördernd und blähungshemmend. Sie helfen auch bei Halsweh und Bronchitis.

Süßholz: Die getrocknete Wurzel des Süßholzstrauches kann durch ihre schleimlösende Wirkung bei Husten und Halsweh helfen. Süßholz hat wie der Name schon sagt einen süßlichen Geschmack und eine lakritzartige Note.

Traditionell war das mit Gewürzen aufgekochte Wasser ein Heilmittel um Beschwerden bei Erkrankungen zu lindern und den Jahreszeitenwechsel zu erleichtern. Erst die Engländer begannen Schwarzen Tee in Nordostindien anzubauen und von da an wurde Chai zu einem alltagstauglichen Getränk. Besonders die aufputschende Wirkung des Schwarzen Tees wird geschätzt und für den Geschmack haben sich auch Milch und Zucker in viele Rezepturen geschlichen.

Die Gewürze des Chai spielen auch eine große Rolle in der uralten Heilkunst Ayurveda. Besonders Kardamom, Zimt, Nelken, Pfeffer und Ingwer haben eine reinigende Wirkung und unterstützen die Stoffwechselvorgänge und die Verdauung. Das Verdauungsfeuer (im Ayurveda: Agni) erhitzt von innen und löst sogenannte Schlacken (Ama) Außerdem schärft die Schärfe der Mischung den Verstand und verleiht neue Lebensgeister.

Zur Abrundung des Geschmacks wird Chai in Europa oft mit Rooibos statt schwarzem Tee aufgekocht und kann somit auch abends genossen werden. Wer allerdings Wert auf den Muntermacher legt bleibt bei der klassischen Variante.

In Indien ist Tee in jeder Lebenslage und an jedem Ort verfügbar. Es gibt die sogenannten Chaiwallahs die unter großem körperlichem Aufwand den Tee zubereiten. Jeder von ihnen hat sein eigenes Rezept. Zuerst werden die Gewürze in großen Trögen mit Schwarzem Tee und Wasser aufgekocht und dann wird der Sud mehrmals hin und her geschüttet. Schlussendlich wird der Chai mit Milch und Zucker verfeinert und in kleinen Bechern verkauft. An jedem Bahnhof, sogar in den Zügen, wird man mit dem heißen Getränk versorgt.

Der indische Chai, ein Tee mit langer Tradition hat sich nun auch bei uns in Europa etabliert. Bekannt als Chai, Chai Latte oder Yogi Tee ist er fast in jedem Tee- oder Kaffeehaus erhältlich. Auch in Supermärkten kann man den indischen Gewürztee in Päckchen oder auch in Pulverform, die häufig für Chai Latte verwendet wird, kaufen. Wer jedoch lieber seine ganz persönliche Mischung herstellen möchte muss nur  die gewünschten Gewürze wählen und kann mit ein bisschen Übung bald zu einem geübten Chaiwallah werden. Wer eine kleine Orientierungshilfe braucht kann es erst mal mit diesem Rezept probieren

Masala Chai

Zutaten für 8 Tassen

6 Tassen WasseriStock_000010916878_Small
4 Tassen Milch (auch Haferdrink, Sojadrink oder Reisdrink)
6  Kardamomkapseln
4 Nelken
1 EL Fenchelsamen
1 TL Anissamen
1 Zimtstange
1/2 TL frische, feingehackte Ingwerwurzel
Zucker nach Geschmack
4 EL Schwarz-Tee (z.B. Assam)

Zubereitung
Alle Zutaten bis auf den Tee in einem Topf zum Kochen bringen, umrühren und dann bei geringer Hitze im offenen Topf eine Minute köcheln lassen. Den Tee hineingeben und alles noch einmal aufkochen. Dann sofort auf kleinste Stufe stellen und 10 bis 15 Minuten ziehen lassen. Den Gewürztee anschließend durch ein Sieb direkt in die Tassen oder in eine Kanne gießen

Die Rezeptur des Chai Tees ist mindestens so vielseitig und verschieden, wie die Namen dieses Getränks. Gemeinsam haben sie alle die Schwarztee-Basis, Zucker und Milch. Aber selbst die Sorte des Schwarzen Tees ist recht unterschiedlich. Häufig wird Assam verwendet, es gibt aber auch Regionen, in denen gerne auf Gunpowder zurückgegriffen wird und bei uns wird häufig Rooibostee verwendet. Statt Zucker wird manchmal auch Sirup oder Honig eingesetzt. Bei der Milch können je nach Vorliebe Kuhmilch oder pflanzliche Alternativen wie Reis- oder Sojamilch verwendet werden.  Was die Menge betrifft, so wird in der Regel ein Viertel bis etwa die Hälfte des Wasseranteils, als Milch zugesetzt. Die Gewürze können nach Belieben gemischt werden.  Wichtig ist allerdings, dass die Gewürze den Geschmack und das Aroma des Basistees nie ganz überdecken.

Weitere Informationen

Mehr über die wärmende Wirkung von Gewürzen erhalten Sie im Kochkurs Warmes für kalte Tage – Gesund durch den Winter mit dem Wissen der TCM am 22. Jänner 2014 von 18:00 bis 21:00 Uhr

Mehr über das alte indische Heilwissen im Kochkurs Die 5 Elemente Küche Indiens – ayurvedisch kochen am 20. Feb. 2014 von 18:00 bis 21:00 Uhr

 

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